| Reizthema Rechtschreibung |
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Dauerthema Rechtschreibreform - ein Anreiz nachzudenken... Fortsetzung 3 Fortsetzung
Basisaufsatz: Nach diesem
Ausflug in die absurden Fakten der nach wie Die "Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung" existierte und wirkte bis Dezember 2004. Dann wurde sie wegen anhaltender Kritik an der Reform aufgelöst. Bis dahin wurden aber schon mehrere, relativ geheim und versteckt angelegte, "Teilreparaturen" durchgeführt, sie erreichten aber das öffentliche Bewußtsein nie. Was im Detail bei den einzelnen Korrekturen verändert wurde, das ist in diesem Rahmen sehr schwer nachvollziehbar, es ist aber die Begründung, daß nach 1996, als nämlich der erste Duden mit Neuschrieb erschien, in den Jahren 2000 und 2004 jeweils weitere Neuauflagen erschienen. Zusätzlich wird berichtet, daß auch innerhalb der einzelnen Auflagen immer wieder Änderungen und Anpassungen in die Wörterbücher einflossen. Die Inkonsistenz über die Zeitachse ist also größer als die Zahl der Auflagen vermuten läßt. Und die aktuellen Diskussionen werden bald die nächste Auflage zur Folge haben. Man kann also getrost schlußfolgern, daß es derzeit (2005) keine zuverlässige amtliche Basiskompetenz in Rechtschreibfragen gibt! Bestenfalls eine mit absehbarem Ablaufdatum! Ja, so ist das! So sieht's aus, mittlerweile! Die aktuellste Generation von Wörterbüchern trägt das Erscheinungsjahr 2006, es wird von der "vorläufig endgültigen" Stufe der Rechtschreibreform gesprochen. Daran, und auch an der Ankündigung des Rates für deutsche Rechtschreibung, den Sprachgebrauch weiterhin genau zu beobachten und wenn erforderlich Anpassungen vorzunehmen, ist zu erkennen, daß vermutlich weitere Änderungen unter dem Titel Rechtschreibreform ins Haus stehen werden. In unserer Geschichte schreiben wir Ende 2004; die "Zwischenstaatliche Kommission für deutsche Rechtschreibung" ist also aufgelöst. Die Nachfolge trat eine Gruppe mit dem Namen: "Rat für deutsche Rechtschreibung" an. Wie schon die "Kommission" auch, so setzt sich der "Rat" ebenfalls aus Mitgliedern aller Deutsch sprechenden Länder zusammen. Es gibt einige bemerkenswerte Sachverhalte: Obwohl die Begründung für die Auflösung der Kommission eigentlich die anhaltende und kompetente Kritik war, und daher auch der Druck nach Reparatur groß, sitzen im Rat wieder viele Mitglieder, die auch schon in der Kommission drin waren; es sind 7 Personen, also mehr als die Hälfte der ehemaligen Kommission! Warum sollten die jetzt plötzlich ihre früheren Erfindungen kritisieren? |
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Das ist die
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Der dritte Punkt ist: es gibt in dem Rat "circa" ein Mitglied, welches deklarierterweise die Mehrheit jener Deutsch sprechenden Bevölkerung vertritt, die laut Umfragen mehrheitlich gegen diese Reform eingestellt ist. Es handelt sich um Dr. Theodor Ickler, einen "wirklichen" Fachmann der Linguistik; er ist Hochschulprofessor an der Universität Erlangen-Nürnberg. Ich interpretiere seinen Standpunkt so: Die Schreibung entwickelt sich aus sich selber, man muß als Linguist nur das beschreiben, was sich durch die dem Schreibvolk innewohnende Intelligenz von selbst herausbildet. Jede künstliche Erfindung läuft dieser innewohnenden Intelligenz zuwider und produziert fragwürdige, häufig sogar schwachsinnige, Ergebnisse (genau das, was auch die Analyse meiner 7 Punkte zeigt). Aus diesem Grund steht er, neben seiner Kritik an der jetzigen Schreibreform, auch vielen früheren und zuweilen unsinnigen Überreglementierungen des Dudens kritisch gegenüber. Und außerdem: Änderungsvorschläge müssen in das Gerüst der Grammatik passen, ansonsten ist etwas faul! Das bedeutet im Klartext: Es sieht so aus, als wolle einer von 39 "Nägel mit Köpfen" machen, der große Rest sind entweder Laien, die von der Sache nicht viel verstehen oder aber jene Leute, die die Reform ehedem erfunden haben... Eine wirklich tolle Konstellation also! Einer, der theoretisch wirklich unterstützen könnte, das ist der Ratsvorsitzende Dr. Hans Zehetmair. Er verlautete sinngemäß als Vision: Aufgabe des Rates ist es, das Deutsch sprechende Volk wieder mit seiner Schreibung zu versöhnen. Wie weit das nur beruhigende Taktik ist oder dem tatsächlichem Vorsatz entspricht, "Nägel mit Köpfen" zu machen, das wird die Zukunft zeigen. Dieser Rat wurde also beauftragt eine Bereinigung zu erarbeiten und entsprechende Korrekturvorschläge zu machen. Das unrealistische Ziel war, die Ergebnisse der Überarbeitung bereits für das Schuljahr 2005/06 fertig zu haben. Es zeigte sich bald, daß dieses Ziel nicht wirklich erreichbar war. Es war aber seit jeher vorgesehen, daß die Übergangszeit zur Einführung der Reform im August 2005 endet. Um von diesem Zeitplan nicht abweichen zu müssen, "erfanden" die legislativen Ministerien kurzerhand folgende Konstruktion und traten damit die Flucht nach vorne an: Obwohl der Rat noch überhaupt nicht in der Lage war, das Reformwerk vollumfänglich zu analysieren, und daher auch noch keinerlei Verbesserungsvorschläge dazu gemacht hatte, erklärte man einfach einige Teile der Reform als "unstrittig". Genau diese sogenannt "unstrittigen Teile" wurden ab August 2005 verbindlich, das heißt notenwirksam, in Schulen in Kraft gesetzt. Dieser Vorgangsweise schlossen sich viele, aber nicht alle Ministerien an. Bayern, Nordrhein-Westfalen und der Kanton Bern verlängerten nur die Übergangsfrist bis zur endgültigen Klärung durch den Rat. Der restliche Reformteil wurde als "strittig" erklärt und sollte schwerpunktmäßig durch den Rat überarbeitet werden. Anmerkung: Durch die Einführung der "strittigen" Punkte in die offizielle Amtssprache wurde nach 7 Jahren Schulunterricht gemäß den neuen Regeln erstmals zum Ausdruck gebracht, daß hier offenbar wirklich etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Eine Erkenntnis, zu der der "kleine Mann" nach ca. 1 Woche gelangt, wenn er sich die Mühe zur Analyse macht. Aber die Amtsmühlen mahlen halt unendlich langsam... Trotzdem ist, zumindest hier in Österreich, die offizielle Sprachregelung nach wie vor: Die Umsetzung der Reform läuft hierzulande problemlos, die dauernde Diskussion in Deutschland versteht hier sowieso niemand..., na ja. Weil die Einteilung in "strittig" und "unstrittig" aber eigentlich erfunden war, und daher auch keinerlei tragfeste Grundlage hatte, greift der Rat nun natürlich auch Themen auf, die eigentlich seit August 2005 als sogenannt unstrittig und daher notenwirksam eingeführt sind. In den Schulen wird nach dem von mir in den genannten 7 Punkten kritisierten System seit 1998 unterrichtet. Inklusive grammatischem Unsinn und unlernbarer GZS. Statt daß man so schnell als möglich dem Spuk ein Ende bereitet und die Schüler und Lehrer von der Last befreit, wird das System der Verankerung in Schulen mit Nachdruck betrieben. Anmerkung zur Situation 2006 siehe unter GZS! Bis vor kurzem
wurden in dem früher richtigen Satz: Heute werden
Schüler gezwungen die grammatisch falsche Form: Grammatisch
falsch muß dieser Satz sein, weil es kein einzelnes Wort "liegendste"
gibt. Um es auch noch an einem anderen Beispiel zu demonstrieren: Seit 1998
wird an unseren Schulen gelehrt, daß es trotz des Hauptwortes "Auseinandersetzung"
kein Wort "auseinandersetzen" gibt, es gibt nur "auseinander
setzen", und dieses "auseinander setzen" bedeutet "sich
mit einem Thema beschäftigen" und "die Sitzordnung verändern"!
Damit im Einklang steht, daß man "auseinandersetzen" in
keinem reformierten Wörterbuch mehr findet... Eine Rechtfertigung, die man immer wieder hört, lautet: Jetzt wurden schon so viele Generationen von Schülern so unterrichtet, wesentlich Änderungen würden jetzt nur unnötige Verwirrung schaffen. Dazu folgender Vergleich: Jemand ist mit einem Auto unterwegs. In einem Reifen stimmt der Druck, im zweiten ist zuwenig Druck, am dritten Rad fährt er schon auf der Felge und das vierte ist überhaupt schon weggebrochen. Jemand macht den Vorschlag dieses Auto doch zu reparieren um es wieder verkehrstüchtig zu machen. Dieser Vorschlag wird aber mit der Begründung abgelehnt, der Fahrer habe sich an den schlechten Zustand schon so gewöhnt, daß ihn ein intaktes Auto nur verunsichern würde... Seit 2006 ist es trotzdem so, daß 10 Jahrgänge in der Schule Dinge gelehrt bekamen, die nun wieder als falsch erkannt und geändert wurden. Außerdem gibt's auf der Welt nicht nur Schüler! Die große Mehrheit der 100 Millionen sind nämlich keine Schüler! An dieser Stelle drängt sich natürlich auch der Verdacht auf, daß es in anderen Bereichen "amtlicher Regelung" nicht viel anders zugeht. Nur merken tun das halt die wenigsten, weil es schwieriger zugängliche Sachverhalte sind. Aber zurück zur Schreibreform: Auch heute noch beschränken sich Medien auf dümmliche Meldungen der Klasse: "Urin-stinkt und Anal-phabet", das sind in Wirklichkeit Trennmöglichkeiten, die es seit jeher unverändert gibt und die jemand mit Stil normalerweise ohnehin nicht so anwendet. Man hat das Gefühl, in der Presse regiert Dümmlichkeit und Desinteresse. Kein einziges großes Medium nimmt sich der Sache in ihrem eigentlichen Kern an!? Vermutlich gilt auch hier die alte Redewendung: Für jemanden, der nur einen Hammer kennt, ist jedes Werkzeug ein Hammer. Journalisten kennen halt nur "Stängel"... Allein die Tatsache, daß die Ratssitzungen hinter verschlossenen Türen, also nicht öffentlich, stattfinden, ist fragwürdig! Auch eine Dokumentation der Entscheidungsprozedur und die Begründungen von Regelfestlegungen existierten nicht. Alles Dinge, die für die Presse doch ein gefundenes Fressen sein könnten!? Auch eine Schlagzeile: "Unsere Schulen vermitteln seit 7 Jahren zweifelhaften Stoff!", also eine Anspielung darauf, daß seit dem Jahre 1998 diejenigen Regelteile im Unterricht eingetrichtert werden, die jetzt amtlich als strittig eingestanden wurden, traut sich offenbar keine Zeitung zu bringen... ... und von denen vieles in der Version 2006 auch tatsächlich wieder gekippt wurde. Auch die vielen Unterzeichner der verschiedensten kritischen Listen, es wurde ehedem davon berichtet, melden sich nicht zu Wort. Eigentlich wäre jetzt, da Bewegung durch die Arbeit des Rates in die Sache gekommen ist, der Zeitpunkt, Stellung zu beziehen - im Sinne einer ordentlichen Bereinigung. Dr. Zehetmairs Position Nägel mit Köpfen zu machen würde wesentlich gestärkt, wenn er auf entsprechende Unterstützung kompetenter und anerkannter Personen verweisen könnte. Das 2006er Ergebnis kennen wir mittlerweile, es lautet: Die gröbsten Unebenheiten der Reform wurden geglättet (Zehetmair), was gleichzeitig aber auch bedeutet, die "groben" und "feinen" Unebenheiten sind weiterhin vorhanden (und Stoff für weitere Anpassungen). In Wirklichkeit müht sich quasi ein einzelner tatsächlicher Pragmatiker ab, den großen Rest des Rates auf den Weg der Vernunft zu bringen?! Nun nicht mehr, Prof. Ickler schied Anfang 2006 auf eigenen Wunsch aus, als feststand, daß kein vernünftiges Gesamtergebnis mehr zustande gebracht werden kann. Im Rat wird nach demokratischen Spielregeln entschieden. Wenn dort also jemand den Vorschlag macht, das Wort "Vater" sei künftig klein zu schreiben, und die 2/3 Mehrheit dafür gewinnt, dann hat das durchaus Chance, in die neuen Schreibregeln zu kommen... Und damit schließt sich der Kreis: Die Frage, wie ich die Anrede "Du" in persönlichen Briefen schreiben soll, wird zwar demokratisch behandelt, die Antwort richtet sich aber nach der zufälligen Tagesverfassung der Ratsmitglieder! Nach dem
Motto: Friß Vogel oder stirb, der Rat hat beschlossen... Was hat sie also gebracht, die Rechtschreibreform? Einen wirklichen Nutzen, der nachweisbar eingetreten wäre, kann man weit und breit nicht ausmachen... Jene, die die Reform nicht angenommen haben, vermutlich nach wie vor eine Mehrheit, schreiben zwar konsistent und sinnrichtig, sind sich jedoch bewußt, daß man das, was sie als richtig ansehen, für falsch erklärt hat. Ihnen hat man also sozusagen ohne zu fragen und ohne Not einen Teil ihrer Kultur unter dem Hintern weggezogen, nämlich die weitgehende Beherrschung der Schreibung ihrer eigenen Muttersprache. Jene, die sich bemühen, den Anschluß an die Reform zu halten, also umzulernen, stehen vor dem Problem, daß man den vollen Umfang der Reform wegen ihrer Intuitionsferne eigentlich nur auswendig lernen könnte, was aber niemand tut. Somit entstehen private Orthografieversionen in großer Zahl, manche glauben vermutlich sogar, daß das, was sie schreiben, der reformierten Schreibung entspricht. Großteils ist das ein Irrglaube, somit beherrscht auch diese Gruppe die Schreibung der eigenen Muttersprache nicht wirklich. War bis ca. 1998 die Schreibung in Büchern, Zeitungen, sonstigen Druckwerken, behördlichen Texten, Gesetzen, in der Schule usw. einheitlich, gehört dieser Zustand heute längst der Vergangenheit an. Was in den Schulen heute tatsächlich vermittelt wird, aber noch mehr, was davon letztlich hängen bleibt, das kann ich mir eigentlich schwer vorstellen. Zunächst lehrte man von 1998 bis 2004 die Erstversion der Reform, die mit dem grammatisch falschen "Es tut mir sehr Leid". Dann erklärte man einen Teil des vermittelten Stoffs für strittig, ein Zustand, der bis Ende 2006 andauerte; was man in der Zeit der Strittigkeit eigentlich unterrichtete, ist mir nicht ganz klar. Und seit 2006 gibt es eine weitere Version, die vieles, was seit 1998 unterrichtet wurde, wieder umdreht und das genaue Gegenteil behauptet. Das Ergebnis kann man sich vorstellen, keiner nimmt mehr irgend etwas ernst. Und so sieht die heutige Schreibung auch tatsächlich aus. Gleichzeitig wundert man sich aber, daß PISA Tests ergeben: das bedeutungsmäßige Verstehen geschriebenen Textes läßt besorgniserregend nach ... Wie sieht es mit der Presse aus? Zunächst ist zu konstatieren, daß ca. 1999 der Großteil der Zeitungen auf Reformschrieb umstellte. Allerdings nicht wirklich, viele stellten nämlich auf eine in der Zwischenzeit ausgearbeitete Spezialorthografie um, unterschiedliche Zeitungen begannen also 1999 sowohl in untereinander als auch von der amtlichen Rechtschreibung abweichenden Hausorthografien zu erscheinen. Der erste Schritt weg von der Einheitlich war damit getan. Später, als sich für Profizwecke eine Untauglichkeit selbst der Hausvarianten des Neuschriebs herauskristallisierte, stellten einige Zeitungen wieder auf Normalschreibung zurück um. Prominenteste waren die F.A.Z. und die Blätter des Springer Verlags (Bild, Welt, ...). Es gab nun also über mehrere Jahre parallel Normalschrieb, verschiedene Hausorthografien und Schulschrieb. Buchneuerscheinungen kamen in meist fehlerhaftem Reformschrieb heraus. Autoren, die etwas auf sich halten und vor allem solche, die sich näher mit der Sache beschäftigt hatten, hielten an Normalschreibung fest und tun das bis heute. Zuletzt stellten, nachdem die neuesten Änderungen durch den Rechtschreibrat beschlossen waren, einige rückumgestellten Zeitungen neuerlich auf Reformschrieb zurück um. Allerdings auch diesmal nicht vollinhaltlich, sondern ebenfalls wieder unter Hinweis, besonders mißratene Details des Reformschriebs auch weiterhin nicht zu verwenden, unabhängig davon, daß diese Sachen in den Schulen zum verbindlichen Lernstoff gehören. Die F.A.Z. stellte am 1. Jänner 2007 auf eine selbstbestimmte Hausorthografie um, andere Blätter haben angekündigt, ab 1. September 2007 auf eine gemeinsame Hausorthografie der Nachrichtenagenturen umzustellen. Von allgemeiner Einheitlichkeit ist also weiterhin keine Rede. Trotz allem, in der F.A.Z. bzw. auf FAZ.net konnten Informierte sehr schön beobachten, wie von einem Tag auf den anderen eine Fehleranzahl in die Texte Einzug hielt, die vorher undenkbar schien... Verbindlich, so heißt es, sei die Schreibreform in der jeweiligen amtlichen Version nur für Schulen und Beamtentum. Die Schulen aus Sicht der Schüler haben wir schon abgehandelt, wie sieht es aber mit den Beamten und den amtlichen Texten aus? Auch Lehrer sind Beamte. Wie in diesem Fall die Schulung aller Lehrer auf das jeweils aktuelle Regelwerk vonstatten ging, ist unklar. Aus Gesprächen mit befreundeten Lehrern entnehme ich, daß außer anonymer Verlautbarungen, daß ein neues Regelwerk gültig sei, keine Schulungsmaßnahmen durchgeführt wurden. Wie sattelfest Lehrer daher seit 1998 in Schreibfragen sind, kann sich jeder leicht vorstellen, der sich einmal der Mühe unterzog, das amtliche Regelwerk zu studieren. Auch alle anderen Beamten hätten theoretisch zwischen 1998 und 2007 bereits 3mal umgeschult werden müssen. Von solchen Aktivitäten hab ich aber noch nie etwas gehört. Ob allerdings eine Anweisung, ab einem gewissen Termin eine neue Orthografie anzuwenden, die Schreibpraxis der Beamtenschaft tatsächlich auf Regelkonformität zum amtlichen Regelwerk ändert, darf bezweifelt werden. Wie weit die Umstellung aller Vorschriften und Gesetzestexte auf Neuschrieb bereits abgeschlossen ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Frage ist natürlich auch, auf welche Version wurde umgestellt, bzw. wurden auch alle Änderungen im Regelwerk immer überall nachgezogen? Natürlich weiß jeder, daß solche Umstellungen vollkommen sinnlose Vorgänge sind, weil dadurch die Bedeutung der Texte nicht verändert werden darf, es ist also nur ein unsinniger aber gleichzeitig sehr fehleranfälliger Zusatzaufwand (nach Reformschrieb ist nämlich z. B. wohlbekannt' und wohl bekannt' bedeutungsmäßig identisch!). Als "Verwirrung und Ärger" würde ich das interpretieren, was ich bisher als Ergebnis der Reform zusammengefaßt habe. Das kann doch nicht alles sein, oder? Wir suchen also weiterhin nach dem Nutzen. Angetreten war man ja mit der Ansage, durch die Reform werde die Schreibung der deutschen Sprache nachhaltig vereinfacht. Wäre es aber so, hätten viele diesen Vorteil sehr rasch erkannt und wären mit fliegenden Fahnen auf den Reformzug aufgesprungen. Kein Wort der Kritik wäre hörbar gewesen. Dies geschah aber nicht, im Gegenteil, die Mehrheit empfindet die Reform nach wie vor inkonsistent und als Verschlechterung gegenüber früher. Leider gibt es darüber bis zum heutigen Tage - vermutlich absichtlich - keine halbwegs repräsentativen Studien. Wie sich die Fehleranzahlen tatsächlich entwickelt haben, können alle, die sich ein wenig mit der Materie beschäftigt haben, jeden Tag in den Presseerzeugnissen nachprüfen. Besonders aber mit Google, dort kann sich jeder jederzeit überzeugen, wie groß die Zahl reformbedingter Fehler in im Internet auffindbaren Dokumenten ist. Auffällig ist die große Anzahl von s-Fehlern und die Erkenntnis, daß viele offenbar vermuten, daß alles, was man nur irgendwie getrennt schreiben kann, auch getrennt geschrieben werden muß (z. B. zu zu geben'). 10 Jahre nach Einführung sind selbst Profischreiber trotz EDV-Unterstützung immer noch höchst unsicher in der Anwendung, abgesehen von empfundenen Sinnwidrigkeiten, die auch in regelkonformer Schreibung weiterhin Standard sind (Das Essen war gräulich; nach der amtlichen Regel bedeutet wohldurchdacht' und wohl durchdacht' das selbe, und auch vielversprechend' und viel versprechend' ist gem. Regelwerk identisch, uvm.). Wo bleibt also der Nutzen tatsächlich? Nun, einen gewissen Nutzen hatten möglicherweise einige wenige Verlage, die aus den häufigen Neuauflagen von Wörterbüchern zusätzliches Geld verdienten. Wenn das so wäre, handelte es sich aber bestenfalls um Nebeneffekte, jedenfalls aber nicht um einen Nutzen, der die sicherlich entstandenen beträchtlichen Kosten rechtfertigen könnte. Damit sind wir beim Stichwort Kosten, was kostete die Reform bis jetzt, was wird sie noch kosten und wen kostete sie etwas? Es gibt unterschiedliche Arbeiten zu diesem Thema, die Ergebnisse schwanken je nach Rechenmodell zwischen 2 und 7 Mrd. Euro aber auch noch höhere Zahlen werden genannt. Es soll hier auch nicht nachgerechnet werden, aber selbst wenn man nur die untere Grenze annimmt, kommt man schwer an der Schlußfolgerung vorbei, daß wir uns um unser aller teures Geld einen Kollateralschaden zugezogen haben, der heißt: Die Deutsch sprechende Bevölkerung hat durch die obrigkeitlichen Eingriffe die schriftlich einheitliche Beherrschung der eigenen Muttersprache weitgehend verlernt! Nebenbei halten die amtlichen Regeln Stolperfallen bereit, die der sinnrichtigen Übermittlung von Informationen an den Leser im Weg stehen! Es handelt sich dabei vor allem um Mißverständnisse fördernde Festlegungen der amtlichen Getrennt- und Zusammenschreibung. Schaurig, aber wahr. Die Rechtschreibreform ist ein Musterbeispiel dafür, wie man mit hohen Kosten, auf hohem Frustrationsniveau für alle Beteiligten, bestehende Werte nachhaltig vernichten kann, ohne dabei auch nur einen einzigen haltbaren Alternativnutzen zu erzielen. Weil es aber
selten Dinge gibt, die so sind, wie sie aussehen, kann man natürlich
auch fragen, ob es ev. jemanden geben könnte, dem das oben skizzierte
Resultat von Anfang an als Zielvorstellung vorschwebte; wenn ja, können
diese sich nun zufrieden zurücklehnen und in Ruhe die Früchte
betrachten. Es wird ihnen wohl auch nicht Leid' tun ... Auf der Homepage der NZZ kann man z.B. einen Screensaver herunterladen, welcher die 100 privaten Regeln der NZZ-Hausorthografie nach dem Zufallsprinzip anzeigt. Und noch eines: Besonders jene Leute, die selbst nicht den blassesten Schimmer von den Details haben, meinen häufig geringschätzig: Kritiker der Reform wären nur innovationsfeindliche, lernunwillige Ewiggestrige! Ältere Herren also, die nicht mehr bereit sind, umzulernen... Gegen so ein Argument ist man als Kritiker natürlich relativ machtlos, wenn man nur 5 Sekunden hat, seinen Standpunkt zu erläutern. Hat man aber ein wenig mehr Zeit, kann jeder, genauso wie ich es hier entwickelt habe, die Reform recht schnell ziemlich jämmerlich erscheinen lassen. Manchmal hört man auch das Argument, die Sache doch nun endlich so bewenden zu lassen,wie sie ist; es wurde schon genug gestritten, niemand will das mehr hören. Von der Haltung zum Thema her ist das mehr als verständlich, aber: ungelöste Probleme lassen sich nicht unter den Teppich kehren. Sie kommen immer wieder hervor, und das ist hier genauso der Fall wie überall! Für mich ist es ein Drama, daß in unserem scheinbar so fortschrittlichen System so etwas Beschämendes, Langanhaltendes und vor allem Überflüssiges überhaupt möglich ist, und auch, daß gleichzeitig die große Masse nicht einmal etwas von den Details bemerkt! Und ganz
zum Schluß: In der Schweiz werden Gesetzestexte, bevor sie in
Kraft treten, von Laien auf allgemeine Verständlichkeit geprüft
und gegebenenfalls so lange modifiziert, bis solche gegeben ist. Eine
ähnliche Vorgangsweise wäre angesichts des amtlichen Regelwerkes
auch für die Formulierung von Rechtschreibregeln mehr als angebracht!
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