| Die Rechtschreibreform |
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Die Rechtschreibreform
- Richard Schrodt, einer jener wackeren Reformer, der schon mindestens seit 1996 Mitglied in verschiedensten Gremien im Umfeld er Rechtschreibreform ist, meint in mehreren Internetartikeln aus dem Jahre 1997: "Wie man es auch dreht und wendet: Es mag wenig Gründe für diese Reform geben, aber es gibt zweifellos noch weniger Gründe gegen diese Reform. Daher muss man sie entschieden unterstützen, und man muss den Schreibenden dort, wo es mehrere begründete Entscheidungsmöglichkeiten gibt, auch entsprechende Freiräume gewähren." Beschäftigt
man sich mit den Hintergründen gar nicht, klingen diese Sätze
sehr vernünftig. Sie unterstellen nämlich zwischen den Zeilen,
daß ein brauchbarer Vorschlag vorgelegt wurde, ein Vorschlag für
eine Rechtschreibreform, den das Schreibvolk gerne annehmen wird, weil
Liberalisierung statt kleinlicher Regelauslegung das Motto ist... Mit Google habe ich einmal versucht herauszufinden, welche Gründe tatsächlich überliefert sind, die für eine Rechtschreibreform sprachen - also: auf welchem Grund steht die Reform? Zunächst
stößt man auf Sätze ähnlich wie: Auch dieser Satz klingt zunächst nicht gänzlich unplausibel, erinnern sich doch viele an die eigene Schulzeit und an die eine oder andere Schwierigkeit im Zusammenhang mit der Schreibung. Sucht man dann aber danach, welche konkreten Probleme denn da aufzuzählen wären, wird es stiller. |
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Gut, denkt man, eine Reform, die hier neben der üblichen Schreibweise in verzwickten Fällen auch andere, liberalere Schreibweisen ermöglicht, die kann ja nur begrüßt werden. Sieht man sich dann aber die Tatsachen an, dann stellt man als erstes bestürzt fest: von evolutionärer Liberalisierung kann weit und breit keine Rede sein. Erste Konsequenz der Reform ist daher, daß alle existierenden Bücher von einem Tag zum anderen aus Rechtschreibsicht zur Makulatur erklärt wurden. Rechtschreibreform brutal, na bum ... An dieser Stelle erinnere ich zum ersten Mal an die Aussage von Hrn. Schrodt ... Versucht man tiefer in die Materie einzudringen, dann bleibt einem im wahrsten Sinn des Wortes die Spucke weg. Wie ein Elefant durch den Porzellanladen, so arbeiteten sich die Reformer durch die verschiedenen Themengebiete. Offenbar dachte man sich, von einer ordentlichen Reform kann man nur dann sprechen, wenn möglichst wenig Steine aufeinander bleiben. Und somit wurden im großen Stil übliche Schreibungen verboten und gänzlich unübliche wurden zur Vorschrift erhoben; gegen jedes Sprachgefühl. Frei erfundene Regeln sollten es nun sein, die die Schreibung bestimmen, die inhaltliche Bedeutung degenerierte zu lästigem Beiwerk. Dieser Ansatz sollte logischer sein und einfacher zu begreifen, dachte man. Heute scheint
es manchem völlig unbegreiflich, daß man jahrzehntelang auch
ohne Regelparagraphen bestens in der Lage war, eine dem Sinn entsprechende
Getrennt- und Zusammenschreibung zu praktizieren, noch dazu eine bessere
als heute regelkonform überhaupt möglich ist ... Wer an den
Details Interesse hat, der möge meinen Artikel: "Dauerthema
Rechtschreibreform, ein Anreiz Durchstreifen wir nun mal grob die 96er Neueinführungen: Welche früheren Schwierigkeiten mit den Änderungen: Gämse statt Gemse, behände statt behende, gräulich statt greulich eigentlich behoben wenden sollten, bleibt unbeantwortet. Wohlgemerkt, es handelt sich hier um Mußschreibungen, nicht um liberale Alternativen ... Auch die
Antwort auf die Frage, warum es dann nicht etwa auch sprächen
statt sprechen, käntern statt kentern und Ältern
statt Eltern heißen soll, bleibt offen. Neuschreibungen,
etwa Spagetti, Butike, Ketschup, Kupee, Majonäse und ähnliche,
legen eigentlich in erster Linie die Vermutung nahe, daß der Schreiber
gerade das Analphabetenstadium überwunden hat. Okay, die
s-Schreibung war bei ungeübten Schreibern immer schon eine gewisse
Herausforderung. Die Auswirkung der neuen Regelung ist allerdings so,
daß Schreiber, die früher schon schwach waren, heute noch schwächer
sind, und die Unterscheidung zwischen das' und dass'
ist nach wie vor erforderlich, sie scheint jedoch schwieriger geworden
zu sein als zuvor. Wer's nicht glaubt, der braucht nur irgendwelche Texte,
auch professionell erstellte, auf s-Fehler hin zu untersuchen. Grüsse,
Strasse, süsse Speisen, Grossmarkt, heisse Getränke, ...
sind an der Tagesordnung. Nun die dynamische Substantivierung; die kann natürlich schon ihre Tücken haben, zugegeben. Besonders für jene Wenigschreiber, die den eigentlichen Sinn dieses Gebrauchs noch nicht verstanden haben. Hier ist die Sache so, daß Satzgegenstände, also jene Begriffe, die dafür stehen, wovon im Text die Rede ist, groß geschrieben werden. Das sind die wirklichen Hauptwörter, und das sind auch Wörter anderer Wortarten, die gemäß dem eigentlichen Sinn des Textes die Bedeutung von Satzgegenständen haben (Substantiviereung). Umgekehrt gibt es die Desubstantivierung bei Wörtern, die substantivische Merkmale haben, aber im Text nicht die Bedeutung eines Satzgegenstandes einnehmen. An dieser
Regel hat sich gegenüber früher nichts geändert, man muß
sie nach wie vor unverändert beherrschen; von wegen Vereinfachung.
Allerdings, und nun kommt der Reformeingriff, wurde beschlossen, daß
viele Wendungen, die an sich mit der eigentlichen Textbedeutung überhaupt
nichts wesentliches zu tun haben, also damit, wovon die Rede ist, daß
also solche Fügungen auch groß geschrieben werden, z.B. seit
Langem, des Weiteren, im Allgemeinen, zu Eigen machen, im Übrigen,
im Großen und Ganzen, usw. Aber: Mir ist angst und bange.Welche
es also genau sind, das muß man sich merken! Ergebnis:
Die eigentliche Basisschwierigkeit blieb vollkommen unverändert;
früher mußte man halt, wenn man es nicht fühlte, zusätzlich
wissen, daß man im übrigen' klein schreibt, heute
muß man sich merken, es groß zu schreiben. Allerdings stören
heute die vielen Scheinsubstantivierungen die Textbedeutung und können
auch leicht zu Mißverständnissen führen. Gut, kommen
wir nun zur Beistrichsetzung. Im folgenden
Satz muß ein Beistrich stehen: Ich meine, in beiden Fällen Beistriche zu setzen, ist einfacher, als die beiden Fälle sicher unterscheiden zu können. Hier gehen die Meinungen aber vermutlich auseinander. Zwischenresümee: Klicken Sie hier, wenn Sie den zweiten Teil der Geschichte lesen wollen. ------ Zurück zur: Einstiegsseite ins Thema Rechtschreibreform Reizthema Rechtschreibreform, 07/2006 |
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